Taxi: Die LP zum Singlepreis

Als die Bay Rollers ab 1974 zum ganz großen Schlag ausholten und auf dem Teeniemarkt kräftig absahnten, setzten diverse Produzenten alles daran, von diesem lukrativen Kuchen auch ein ordentliches Stück abzubekommen. Die Ergebnisse hießen u. a. Hello, Kenny und Slik, die zwar nur kurzfristig Erfolg hatten, aber ihren Produzenten ordentlich Geld in die Kassen spülten. Allerdings konnten diese Gruppen mit den Erfolgen der Bay City Rollers nicht mithalten, verfügten diese doch über einen cleveren Manager namens Tam Paton. Der wusste ganz genau, wie er mit simpler Musik den jugendlichen Musikkonsumenten die Taschengelder aus den Taschen ziehen und mit einer geschickter Medienpräsenz seine Gruppe über einen Zeitraum von fast vier Jahren oben halten konnte. Um das Interesse der Fans an der Gruppe möglichst lange aufrecht zu erhalten, inszenierte der clevere Tam Paton jede Menge Klimbim wie diverse Selbstmordversuche der Musiker wegen des großen Tourneestresses oder tauschte einfach Musiker aus Altersgründen gegen Jüngere aus (Pat Mc Glynn ersetzte im Frühjahr 1976 Allan Longmuir. Dieser wiederum wurde, weil er dem Tourneestress und dem Starrummel nicht gewachsen war, im Herbst 1976 durch Ian Mitchell ersetzt. Als Ian dann 1977 wieder ausstieg und seine eigene Gruppe gründete, wurde Allan Longmuir zurück in die Gruppe geholt). Als auch das nicht mehr zog, versuchten Tam Paton & Co. den Bay City Rollers das Image der bösen Buben zu verpassen. Statt der netten Jungs von nebenan konnte Fans und Gegner Geschichten über Liebesaffären, Groupies, Vaterschaftsklagen usw. lesen. Allerdings funktionierten diese Spielchen nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Im Jahre 1977 ließ das Publikumsinteresse an den Bay City Rollers langsam aber sicher nach. In diesem Jahr landeten sie mit „It’s a game“ und „You made me believe in magic“ noch zwei Tophits und ab Anfang 1978 befand sich die Gruppe im freien Fall. Während die Bay City Rollers 1977 noch Hits landen konnten, befanden sich die Nachahmerprodukte Kenny, Hello und Slik ihrerseits schon im freien Fall. Trotzdem versuchten verschiedene Musikproduzenten mit Teenierock kurz vor Ladenschluß noch eine schnelle Mark zu machen. So auch die beiden Komponisten und Produzenten Dave Hunt und Colin Frechter. Bewußt konzentrierten sie sich mit ihrer Gruppe Taxi auf den lukrativen deutschen Markt.

Taxi bestand aus Paul DeBiase (Gesang, Gitarre), Ross Burgess (Gitarre, Gesang), Phil Polcaro (Gitarre, Gesang), Joe DeBiase (Baß, Gesang) und Pasquale Polacaro (Schlagzeug). Um ihre erste im März 1977 im Londoner Music Centre Studio aufgenommene LP dem deutschen Publikum schmackhaft zu machen, ließen sich Dave Hunt und Colin Frechter etwas ganz Besonderes einfallen: Die LP wurde auf dem Billigpreislabel Europa mit dem Verkaufsargument ‘Die LP zum Singlepreis‘ veröffentlicht. Musikalisch war alles eng an die Bay City Rollers angelehnt, damit hatte Taxi einen guten Start. Das Konzept schien aufzugehen, innerhalb weniger Wochen verkaufte sich „Taxi“ einige zehntausendmal. Die ausgekoppelte Single „You got you way in the end O.K.“ wurde ein Achtungserfolg und konnte sich in einigen Rundfunkhitparaden plazieren. Die deutsche Teenagerpresse stürzte sich sofort auf die Gruppe und präsentierte sie ihren Lesern. Prompt wurden sie als die Nachfolger der Bay City Rollers gehandelt. Nach dem gleichen Konzept wie „Taxi“ wurde Ende 1977 die zweite LP „Do you love me“ auf den Markt geworfen. Auch dieses Album verkaufte sich recht gut, was wie schon beim ersten Album in erster Linie auf den Verkaufspreis von 6 DM zurückzuführen war. Allerdings ließ sich dieses Konzept aus Kostengründen nicht endlos fortsetzen. 1978 ließ auch das Interesse des deutschen Publikums an den Teeniegruppen stark nach. Die Platten der Bay City Rollers hatten Mühe, sich überhaupt noch in der Hitparade zu plazieren, Kenny und Hello spielten keine Rolle mehr und Slik hatte sich schon 1977 aufgelöst. Immerhin gelang es dem Produzenten Norman Ascott mit der Berliner Schülerband The Teens als die erste und einzige deutsche Teenieband kurzfristigen Erfolg zu verschaffen. Die dritte LP von Taxi erschien im Herbst 1978 bei EMI. Ohne das Argument von der LP zum Singlepreis verkaufte sich das dritte Album der Gruppe so gut wie gar nicht mehr. Nach dem Mißerfolg dieser LP verschwand Taxi ohne eine weitere Schallplattenproduktion umgehend wieder in der Versenkung.

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© Claus Salewski, 2005 - 2014

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